Thomas Gretler gab interessante Einblicke
20.06.2026
Bei strahlendem Sonnenschein und besten Wanderbedingungen führte eine naturkundliche Exkursion auf den Besler. Für den 20.06.2026 organisierte die Wanderführerin des DAV Weilers Ulrike Röhrnböck diese Tour. Begleitet wurde die Gruppe aus sieben Personen vom Biologen und freien Journalisten Thomas Gretler, der die abwechslungsreiche Wanderung mit fundiertem Wissen über Geologie, Flora, Fauna und den Klimawandel bereicherte. Er arbeitet derzeit im Auftrag des Naturparks Nagelfluhkette an einem digitalen Klimawanderführer, der auf der Homepage des Naturparks abrufbar sein wird.
Ein besonderer Schwerpunkt der Führung lag auf der faszinierenden Entstehungsgeschichte der Allgäuer Berge. Thomas Gretler beschrieb die unterschiedliche Gebirgsformationen im Naturpark. Die Berge sind aus unterschiedlichen Gesteinen aufgebaut. Während die aus Molasse bestehende Nagelfluhkette durch ihr charakteristisches Konglomeratgestein geprägt ist, unterscheiden sich die sanft geschwungenen Flyschberge der Hörnerkette mit dem Riedberger Horn geologisch deutlich von den verkarsteten Kalkformationen am Besler und am nahe gelegenen Gottesackerplateau. Diese geologischen Unterschiede spiegeln sich nicht nur in der Landschaft wider, sondern beeinflussen auch die Tier- und Pflanzenwelt.
Neben den geologischen Besonderheiten widmete sich die Führung den bereits heute sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels. So berichtete der Naturkundeführer, dass der Rotmilan inzwischen immer häufiger auch in höheren Lagen zu beobachten sei – ein deutliches Zeichen dafür, dass sich Lebensräume aufgrund steigender Temperaturen verändern. Auch die Moore der Region leiden zunehmend unter längeren Trockenperioden. Trocknen sie aus, verschwinden nach und nach moortypische Pflanzenarten. Mit ihnen verlieren spezialisierte Insekten, darunter verschiedene Schmetterlingsarten, ihre Nahrungsgrundlage und ihren Lebensraum.
Als weiteres Thema wurde der Zustand der Wälder besprochen. Besonders die Fichte, die über Jahrzehnte vielerorts als Wirtschaftsbaum dominierte, gerät durch Hitze und Trockenheit zunehmend unter Druck. Der Biologe machte deutlich, dass artenreiche Mischwälder deutlich widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels sind. Sie können Trockenphasen besser überstehen, bieten mehr Lebensräume für Tiere und tragen zu einem stabileren Waldökosystem bei.
Trotz der zahlreichen Herausforderungen vermittelte die Exkursion auch Anlass zur Zuversicht. Mit großer Freude berichtete der Naturkundeführer von den bereits laufenden Renaturierungsmaßnahmen zahlreicher Moore in der Region. Intakte Moore gehören zu den effektivsten natürlichen Kohlenstoffspeichern und binden große Mengen CO₂. Durch ihre Wiedervernässung können sie ihre wichtige Funktion als Klimaschützer wieder erfüllen und gleichzeitig wertvolle Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten zurückgewinnen.
Die naturkundliche Wanderung auf den Besler zeigte eindrucksvoll, wie eng Geologie, Landschaft, Artenvielfalt und Klima miteinander verbunden sind. Sie machte deutlich, dass sich die Folgen des Klimawandels bereits heute in den Bergen beobachten lassen, zugleich aber auch viele Projekte Hoffnung geben, die Natur nachhaltig zu schützen und zu bewahren. Die gelungene Mischung aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, anschaulichen Beispielen und der beeindruckenden Bergkulisse machte die Führung zu einem besonderen Erlebnis für alle Teilnehmenden.